Ein unerwartetes Erlebnis

Die Designer Oliver Bischoff und Danilo Dürler vom Berliner Büro Ett la Benn lieben das Spiel mit den Grenzen – Humor, kühle Distanz und Zeitgeist sind in ihren Designs die Grundlage für ein spannendes Storytelling.

Interview mit Oliver Bischoff und Danilo Dürler

Ihr gestaltet und konzipiert gastronomische Innenräume, auch die dazugehörigen Waschbereiche: sie werden zu Kunstinstallationen in denen Raumgrenzen verschwimmen, Farben radikal eingesetzt werden und Licht punktuelle Akzente setzen – wie entwickelt ihr eure Konzepte?

Unsere Gestaltungen folgen immer einem ganzheitlichen Ansatz der dem gastronomischen Konzept folgt. Dabei ist der Interpretation jedoch recht viel Spielraum überlassen. Bei eatDoori in Frankfurt beispielsweise folgt das generelle und konzeptionelle Gestaltungskonzept immer einer Reise. Einer Reise nach oder in Indien, die wir in den Kontext eines Zuges gesetzt haben. Die WC-Räume sehen aus wie die Innenräume typisch orientalischer oder indischer Wagons.

Im Waschbereich tritt der Gast ein in eine weitere Dimension. In einem Restaurant gelangt man direkt auf eine Kirmes mit tausend bunten Lichtern, sobald er das WC aufsucht. Wie wichtig ist das Storytelling?

Wie in dem Beispiel von eatDoori genannt, spielt es eine wesentliche Rolle. Im Toca Rouge mit tausenden blinkenden Lichtern geht es um Street Style und Street Art. Unserer Interpretation nach kommt hier das Funkeln und Blitzen einer lebendigen Metropole zum Einsatz die nie schläft.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr, wenn es um das Zusammenspiel Restaurant – Thekenbereich – Waschraum geht? Worauf achtet ihr?

Die unterschiedlichen Bereiche innerhalb einer Gastronomie können sich stark voneinander unterscheiden. Das erzeugt Spannungen. Wichtig ist, dass alles einem Grundkonzept folgt, welches der Gast in einen Gesamtkontext setzen kann. Wir sind nicht nur Gestalter, sondern auch Strategen und damit in den ganzheitlichen gastronomischen Ansatz involviert. Für den Erfolg einer Gastronomie ist es essenziell, der Zeit ein bis zwei Jahre voraus zu sein – aber auch nicht fünf. Somit spielt es eine wesentliche Rolle seine Zielgruppe genau zu kennen, um den Zeitgeist so gut wie möglich zu erfassen.

In Berlin habt ihr Herzen in die kanariengelben Toilettentüren des Restaurants Yumcha Heroes geschnitzt. Selbst WC und Klobürste sind im gleichen Farbton. Wie wichtig ist Humor beim Übersetzen von Zeitgeist?

Das Yumcha ist ein chinesisches Restaurant. Mir sehr viel Augenzwinkern war das radikale „gelb” eine Hommage an… na Ihr wisst schon! Sonst sind chinesische Restaurants oft betont „rot”. Wir drehen die Dinge gern mal etwas um. Wichtig ist dabei die Stringenz einer Übertreibung, sonst geht die Wirkung verloren.

Kaltes Licht spielt immer wieder eine Rolle bei der Gestaltung. Im Restaurant Good Time Grill in Berlin betont ihr die weiß gestrichenen Nischen, Ecken und Kanten des Waschbereichs mit kaltem Neonlicht. Das Restaurant selbst empfängt den Gast in den warmen Tönen: Orange, Kupfer, Gelb. Wie wichtig sind starke Kontraste und was sagen sie aus?

Starke Kontraste sind ein gutes Mittel um Spannung zu erzeugen. Wie bereits geschildert lebt unsere Gestaltung auch von extremer Abwechslung im direkten Zusammenhang.

Ihr werdet gern „Protestkünstler der WC-Welt“ genannt – trifft diese Bezeichnung zu?

Wir denken Spannung, Differenziertheit und gekonnte Provokation sind die bessere Beschreibung. Da die WC-Räume immer einen abgeschlossenen eigenen Bereich darstellen, geben sie, wie kein anderer Ort in einem Restaurant, die Chance eines Spannungsfeldes. Es ist schon zu sehen, dass die Gäste nach dem WC-Gang fast immer mit einem Lächeln zurück an den Tisch kommen und den anderen Gästen von einem unerwarteten Erlebnis berichten.

Woran arbeitet ihr gerade?

Wir konzentrieren uns auf die siebte Filiale von eatDoori, jetzt ist Düsseldorf dran. Wir arbeiten zudem an einem riesigen Bistro im Berliner Stadtschloss mit zwei weiteren angrenzenden Cafés im Gebäudekomplex, und wir haben ein Redesign für beets&roots erarbeitet, das wir in Frankfurt zum dritten Mal auf die Straße bringen.

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