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Aus dem Nichts Die Künstlerin Ces McCully über ihre Liebe für Form, Farbe und die puristische Linie

Ces McCully in ihrem Atelier in Südfrankreich

Ein Gastbeitrag von Jörg Heikhaus aka Alex Diamond

Abstrakte Kunst erfreut sich seit einigen Jahren wieder größter Beliebtheit, vor allem unter einer jüngeren Generation von Künstlern. Die Australierin Ces McCully erschafft in ihren Bildern „Energie für den Betrachter“ – und wollte nie die Realität abbilden.

Ces McCully ist im Jahr 2019 von Melbourne, Australien nach Frankreich gezogen, in eine Kleinstadt im Süden des Landes, wo sie mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Kindern lebt. Ihre Bilder sind flächig, abstrakt und leben von Farbe und Geometrie, und manchmal auch Textfragmenten, die aber ebenfalls durch Flächigkeit herausstechen.

Ihr Weg zur Malerin gleicht vielen jungen Karrieren in der Kunst heute: kreativ aufgewachsen, aber nicht formal ausgebildet, ging sie zunächst ein paar Umwege ein, ehe sie sich hauptberuflich der Kunst widmete.

Ces McCully, 2020, Quilt #1. Ölfarbe, Acrylfarbe und Faden auf Leinen

“Als Kind kam ich durch Tanz und Theater mit Kunst in Berührung. Ich war immer kreativ, schuf immer irgendwelche Sachen, schrieb Geschichten und zeichnete. Ich studierte schließlich Gegenwartskunst und Psychologie, denn wie viele die aus einem Haushalt kommen, in dem das Geld eng war, war ich nicht bereit für das Leben als “hungernde Künstlerin“. Ich wollte erst einmal finanzielle Stabilität aufbauen.“ Aber es kam dann doch anders, denn: „Ich war immer auf der Suche nach etwas, das das kreative Loch, das ich in mir spürte, füllen konnte“.

Schließlich entdeckte McCully die künstlerische Arbeit mit Textilien für sich. Als ihre Kinder geboren wurden und sie viel Zeit zu Hause verbrachte begann sie Stoffe zu weben, war jedoch bald frustriert von der Langsamkeit, mit der sie am Webstuhl ihre Ideen umsetzen konnte. “Dann nahm ich den Pinsel in die Hand – und kann mir heute nichts anderes mehr vorstellen, als Bilder zu malen. Ich fühle mich sehr glücklich, meine Zeit damit zu verbringen, kreativ zu sein.“

Von Beginn an arbeitete Ces McCully abstract: “Ich war nie daran interessiert, die Realität abzubilden. Allein der Gedanke daran deprimiert mich. Ich mag das Gefühl, etwas aus dem Nichts zu erschaffen: mit der Schlichtheit der puren Linie, Form und Farbe zu spielen um eine gewisse Energie für den Betrachter zu erschaffen, die mehr unterbewusst wahrgenommen wird.“

Ihre Definition von abstrakter Kunst ist daher auch eher ein Anspruch an die Künstler*innen: “Für mich geht es um den Gebrauch von Vorstellungskraft und kreativem Denken: Haben die Künstler*innen ihre Inspiration aus ihrem Inneren heraus gewonnen und nicht aus der externen Welt? Sie müssen einfach eine Alternative zu unserer Realität bieten, dann betrachte ich es als abstrakte Kunst.“

Ihr Mann ist übrigens auch Künstler. Erst ein paar Jahre aktiv, hat er sich international bereits einen großen Namen gemacht und gilt heute als einer der gefragtesten jüngeren Maler auf dem Markt: Jordy Kerwick malt ebenfalls abstrakt, jedoch mit dem Fokus auf die Figuration. Seine Bilder erschließen sich daher auch etwas leichter, im Zusammenspiel mit Text und Formen erinnern sie an Kurzgeschichten im Bildformat und erreichen bei Sammlern mittlerweile Höchstpreise.

Das Ehepaar hat inzwischen auch gemeinsam ausgestellt, zuletzt im dänischen Museum Kunstbygningen in Vra. Der Titel der internationalen Gruppenausstellung: “Figuration/Abstraktion“. Aber auch ihre Heimatgalerie Piermarq in Melbourne hat seit einigen Jahren den Fokus auf Abstraktion in all ihren Spielarten gelegt und stellt fast ausschließlich eine jüngere Generation abstrakter Maler*innen aus.

Dafür dass es heutzutage bei Galerien und Kunstinteressierten, aber auch unter jungen Künstlern, wieder ein so großes Interesse an abstrakter Kunst gibt, macht Ces McCully die Übersättigung mit Information im Digitalen Zeitalter verantwortlich:

“Ich ziehe mich in meinen stark reduzierten Arbeiten zurück, um meinen Geist zu beruhigen, und ich glaube dass sich viele Menschen heute nach diesem Gefühl der inneren Ruhe sehnen. Es ist schwer, der kontinuierlichen Bombardierung mit Information, die uns seit der Verbreitung der Smartphones den ganzen Tag lang serviert werden, zu entkommen. Die unzähligen News, Clickbait, Werbung, Emails und Nachrichten – unser Gehirn kann da gar nicht mithalten und wir brauchen deshalb Erholung von unserer Realität.“

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