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Wilder Westen Digital Neu und umstritten: Die NFT-Kryptokunst wirbelt den Kunstmarkt auf

Als NFT lassen sich digitale Werke als Unikate sichern und handeln. Der erste Millionenverkauf beim Auktionskauf Christie’s sorgt für eine Art Goldrausch. Wie stehen Künstler und Galeristen dazu?

Jon Burgerman – Collage digitaler Arbeiten für NFTs

Ein Gastbeitrag von Jörg Heikhaus aka Alex Diamond

Olly Fathers – digitale Skulptur als Augmented Reality in Philadelphia

Die vermutlich bekannteste Nachricht aus der Kunstwelt im Jahr 2021 hat eine neue Abkürzung aus der digitalen Welt bekannt gemacht: Als der 3D-Designer Mike Winkelmann alias Beeple über das angesehene Kunst-Auktionshaus Christie’s ein rein digitales Kunstwerk für 69,3 Millionen Dollar versteigern konnte, handelte es sich um ein sogenanntes NFT.

NFT? Übersetzt heißt das: Non-Fungible-Token, ein “nicht ersetzbares“ kryptografisches Zeichen (oder eine Datei), das nicht austauschbar, sondern ein Unikat ist. Ein NFT kann also als einmaliges Objekt digital “geprägt“ (minted) und gehandelt werden, was es wiederum für den Kunstmarkt mit seinem Exklusivitätsgedanken interessant macht.

Über die hohe Umweltbelastung durch den Energiebedarf des Mintings, die Sinnhaftigkeit der Krypto-Kunst, vor allem aber deren Qualität und die Klassifizierung als Kunstwerke wird seitdem heftigst diskutiert und gestritten, in Kunstzeitschriften, auf Webseiten, bei Clubhouse und Co.: es herrscht eine große Uneinigkeit darüber, ob sich die Kunstwelt durch NFTs neu definieren muss, oder ob es sich nur um einen kurzzeitigen Hype handelt. Sicher ist nur: Mit NFTs lässt sich derzeit eine Menge Geld verdienen, aber weil nun auch eine unübersehbare Flut digitaler Unikate auf den Markt geschwemmt wird, ist es doch wieder eher wie ein Sechser im Lotto, tatsächlich einen hohen Preis zu erzielen, wenn man nicht bereits berühmt ist.

Jon Burgerman

Jon Burgerman

Ein Künstler, der bereits seit Anfang 2020 erfolgreich NFTs über einen der für den Verkauf notwenigen Online-Galerien oder -Plattformen anbietet, ist Jon Burgerman. Seine größte Herausforderung: “Als Künstler muss man zunächst verstehen, was ein NFT ist. Nur ein unbewegliches Bild zum Beispiel einer bereits bestehenden Zeichnung als NFT anzubieten, ist zu einfach und einfallslos.“ Burgerman erschafft daher vollkommen eigenständige, digitale Arbeiten, die als Loops animiert sind. Und verdient damit gut – weil er sehr früh dabei war, ist er inzwischen zu einem gefragten NFT-Künstler avanciert.

www.jonburgerman.com

Olly Fathers

Olly Fathers

Der englische Objektkünstler Olly Fathers hingegen hat seine Bestrebungen, eigene NFTs anzubieten, zunächst auf Halde gelegt. “Der Markt hat sich innerhalb kürzester Zeit zu sehr aufgebläht, jeder will nun NFT machen und damit Geld verdienen. Ich sehe großes Potential in der Technologie, aber zur Zeit ist der Markt mit NFTs übersättigt.“

Fathers arbeitet mit Holz und Lack und schafft präzise, streng grafische Skulpturen. Doch in den vergangenen Jahren hat er seine Skizzen in 3-D-Programmen angelegt, und daraus entstanden auch erste digitale Werke. Eines davon kann sich jedermann auf sein Smartphone laden und es dann mittels der Foto-App in jede Umgebung platzieren – das nennt sich dann Augmented Reality und ist tatsächlich unterhaltsam und spannend. Die Bilder, die man aufnimmt, sammelt Olly Fathers auf seiner Website. Ganz ohne Geld damit zu verdienen, sondern als klassisches, künstlerisches Experiment.

Eine Art Goldrausch hat sich breit gemacht, deshalb wartet Fathers nun erst einmal ab, bis sich alles etwas beruhigt hat und man auch wieder die künstlerische Komponente und Inhalte in den Mittelpunkt stellt. Für Jon Burgerman wird sich die Kunstwelt rasch an diese schöne neue Welt gewöhnen müssen: “NFTs sind schon jetzt ein großer Störfaktor und verändern, wie Kunst verkauft, geteilt und gesammelt wird. Auch werden wir zukünftig viele Ausstellungen sehen, die analoge und digitale Kunst gemeinsam zeigen.“

www.ollyfathers.com

Jonathan LeVine

Jonathan LeVine

Für den New Yorker Galeristen Jonathan LeVine hingegen ist es wichtig, erst einmal Ruhe zu bewahren. “Der Markt ist ja doch noch etwas kompliziert und recht unübersichtlich.“ Zunächst will er sich deshalb einen Überblick verschaffen. “Ich bin mir noch nicht sicher, was ich von NFTs halten soll. Momentan gibt es einen Hype, weil sich viel Geld damit verdienen lässt, eine Art Wild-West-Mentalität hat sich breit gemacht.“ Aber auch LeVine ist überzeugt davon, dass die Blockchain-Technologie einen wichtigen Nutzen für die Kunst haben wird. Nicht nur für die Erschaffung von Unikaten und limitierten Editionen, sondern auch “als Werkzeug für die Nachverfolgung der Herkunft von Kunstwerken – und für viele andere Dinge, die wir erst noch entdecken müssen.“

www.jonathanlevineprojects.com

Hintergrund zur Beeple-Auktion & NFTs bei Christie’s: www.christies.com

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