Wenn Farben Leben geben

Von welchen Impulsen können sich Architekten inspirieren lassen, wenn sie Bäder farblich gestalten wollen? Professor Axel Buether bringt mit seinem Buch „Die geheimnisvolle Macht der Farben“ Licht ins Dunkel.

Farbauswahl für das Badezimmer

Das moderne Bad ist ein Wohlfühlraum, in dem wir immer mehr Zeit verbringen. Um ein Bad ansprechend zu gestalten sind daher nicht nur Ausstattung, Beleuchtung und Technik von zentraler Bedeutung – auch die Farbgebung hat ihren besonderen Stellenwert bei der Wirkung auf den Nutzer. Farben können die Psyche beeinflussen und Stimmungen lenken, weiß Axel Buether. Der Professor für Didaktik der Visuellen Kommunikation an der Bergischen Universität Wuppertal hat ein Buch über die Wirkung von Farben geschrieben, das auch Architekten bei der Gestaltung und Konzeption von Bädern helfen kann. „Farben besitzen große Macht über unsere Assoziationen, über Gedanken, Gefühle und Handlungsintentionen“, sagt Buether. „Das Geheimnis guter Badgestaltung liegt in der Kombination von warmen, erfrischenden, sanften, reinen und hygienischen Farbtönen.“ Genießt man also eine wohltuende Dusche umgeben von einem erfrischenden Blau, assoziiert man die belebende Frische des Meeres. Die richtigen Grüntöne rund um Waschtisch und Spiegelschrank erinnern an ausgedehnte Waldspaziergänge und erden uns mit der Natur. Buether beschreibt in seinem Buch detailliert, wie sich die verschiedenen Farben auf unser Erleben und Verhalten wirken. In der folgenden Zusammenfassung aus „Die geheimnisvolle Macht der Farben“, geht es beispielhaft um drei Farbtöne und ihre Bedeutungen.

So beeinflussen Blau, Gelb und Grün das vegetative Nervensystem

Badezimmer mit blauer Wand und Geberit Dusch-WC AquaClean Tuma

Meerblau

Wenn wir Bäder und Pools mit meerblauen Farbtönen ausstatten, zitieren wir unsere Erinnerungen an die belebende Kühle und Frische des Meeres, an die Momente der Erholung und Freiheit, die uns im Moment der Begegnung sofort wieder gegenwärtig sind. Diese Assoziationen helfen uns auch bei der Farbauswahl im Alltag. Dunkles Blau wirkt tief und geheimnisvoll, helles lichter und freundlicher. Durch Trübungen verliert Blau an Tiefe und gewinnt im selben Maß an Wärme und Behaglichkeit. Reine hochgesättigte Blautöne erzeugen eine kühle und frische Atmosphäre, ein Effekt, der sich durch die Kombination mit Weiß nochmals verstärken lässt. Allein der Anblick einer blauen Wasseroberfläche veranlasst das vegetative Nervensystem zu einer Absenkung des Stoffwechsels und der Körpertemperatur, um uns vor dem erwarteten Kälteschock zu schützen. Wenn Sie also Farben für Räume bestimmen, in denen man sich lange und möglichst entspannt aufhält, wie das im modernen Bad der Fall ist, dann bedenken Sie diesen Temperatureffekt, der sich nicht nur bei blauen und bläulichen Oberflächenfarben, sondern auch bei Lichtfarben zeigt. In warmen Weltregionen sind blau-weiße Farbklänge hervorragend geeignet, um solche Räume optisch zu kühlen. Blautöne lassen sich aber auch anwärmen, wenn Sie diese mit Rot, Orange, Gelb oder Violett abtönen.

Zitrusgelb

Zitrusfarben wirken nicht nur frisch, sondern sie frischen auch alle anderen Farben und Farbkombinationen merklich auf. Klassische Kleidungsfarben wie Schwarz, Weiß, Grau und Braun lassen sich durch zitronengelbe, limonengrüne oder orange Farbakzente ganz einfach aktivieren. Der seriöse Eindruck bleibt erhalten, doch ihr Erscheinungsbild wirkt deutlich dynamischer und kreativer. Dieses Prinzip gilt auch für die Architektur, wobei Unterschiede zwischen Innen- und Außenräumen bestehen. Frische Farben sind völlig ungeeignet für Gebäudefassaden, da sie in diesem Maßstab extrem aufdringlich wirken und bei längerer Betrachtung kaum auszuhalten sind. Umgekehrt verhält es sich in kleineren Innenräumen, wie zum Beispiel Bädern. Denken Sie bitte dran, dass sich die Wirkung einer Farbe mit ihrer Ausdehnung im Raum verstärkt! Schaffen Sie frische Farbakzente besser auf kleineren Flächen und mit eher dekorativen Elementen und Accessoires, wie Badtextilien und kleineren Badmöbeln.

Badezimmer mit Kacheln in Paradiesgrün

Paradiesgrün

Der Grünraum ist unsere angestammte Farbheimat. Vor Beginn der Sesshaftigkeit des Menschen nahmen grüne Wälder rund 60 Prozent der Landfläche ein, etwa doppelt so viel wie heute. Grün begrenzt den Raum, ohne ihn einzuengen oder zu erdrücken. Doch nicht jeder Grünton sorgt für Wohnlichkeit. Denken Sie bei Ihrer Suche nach wohltuenden wohnlichen Grüntönen – auch für Ihr Badezimmer – an die Atmosphäre eines Waldspaziergangs, die weitgehend von trüben Farbtönen wie Tannengrün, Moosgrün und Flechtengrün geprägt wird. Helle farbgesättigte Grüntöne finden Sie nur dort, wo kein Schatten hinfällt, weshalb sich solche Töne sehr viel besser für die Akzentsetzung eignen.

Mann auf Dusch-WC Geberit AquaClean Mera

Buethers Anregung

Lassen Sie sich von der Farbvielfalt der Natur wie auch von den Farben in Medien, Kunst, Design und Architektur inspirieren. Ich selbst nutze auf Reisen häufig auch das Smartphone und schaue dabei gezielt nach besonderen Farbklängen, Lichteffekten und Details. Das „Farbensammeln“ schult nicht nur den Blick, sondern erzeugt zugleich auch eine persönliche Farbbibliothek, aus der man zu vielen Anlässen schöpfen kann. Wir brauchen Wissen, um die Macht der Farben zu verstehen. Die Sensibilisierung unserer Farbwahrnehmung sorgt dafür, dass wir dieses Wissen auch für die Gestaltung unserer Lebenswelt anwenden können.

Professor Axel Buether. Fotocredit: Copyright Martin Jepp
Zur Person

Professor Axel Buether studierte Architektur und promovierte im Grenzbereich von Neuropsychologie und Umweltgestaltung. 2006 wurde er Vorsitzender des Deutschen Fabrzentrum e.V. – Zentralinstitut für Farbe in Wissenschaft und Gestaltung, von 2006 bis 2012 lehrte er an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Seit 2012 ist Buether Professor für Didaktik der Visuellen Kommunikation an der Bergischen Universität Wuppertal. Sein Buch „Die geheimnisvolle Macht der Farben“ erschien 2020 bei Droemer.

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