
Gebäude bauen, die nicht bleiben Zirkulär bauen als System
Gebäude werden selten für die Ewigkeit errichtet. Für den Umweltingenieur und Unternehmer Michel Baars ist dies der Ausgangspunkt für zirkuläres Bauen. Mit seinem Wohnungsbauunternehmen Moos setzt er diesen Ansatz in der Praxis um.
Herr Baars, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Was hat Sie geprägt?
Michel Baars: Ich habe zunächst Immobilienbesitzer zu Energieeffizienz und nachhaltigem Bauen beraten. Gleichzeitig wurde mir immer deutlicher bewusst, wie kurz die tatsächliche Lebensdauer vieler Gebäude ist: Bürogebäude werden oft nach rund 25 Jahren zurückgebaut, Spitäler nach etwa 50 Jahren, sozialer Wohnungsbau nach ungefähr 60 Jahren. Trotzdem planen wir noch immer, als würden Gebäude dauerhaft bestehen. Der entscheidende Perspektivwechsel kam mit meiner zweiten Firma, einem Rückbau-Unternehmen. Dort haben wir Gebäude nicht einfach abgerissen, sondern Materialien gezielt zurückgewonnen und erneut nutzbar gemacht. Und mir wurde klar: Wenn Gebäude nicht bleiben, müssen wir sie von Anfang an anders denken.
Und das tun Sie mit zirkulärem und modularem Bauen?
Michel Baars: Genau. Dabei kombinieren wir Elemente intelligent neu. Wir entwerfen Gebäude so, dass sie ihren Wert über die Zeit behalten – als Gesamtheit, als Module, oder auch als Teile davon. Und dass sie flexibel an neue Bedürfnisse und Orte angepasst werden können.

Das ist der Kern von Moos, der dritten Firma, die Sie gegründet haben?
Michel Baars: Ja. Wir entwickeln und fertigen modulare Wohngebäude für den sozialen Wohnungsbau. Denn viele Gebäude werden bei uns in den Niederlanden nur zeitlich befristet bewilligt. Deshalb planen wir konsequent so, dass das ganze Gebäude auseinandergenommen, neu kombiniert und an anderen Standorten wieder eingesetzt werden kann. Entscheidend ist dabei, Konstruktion, Verbindungstechnik und Logistik von Beginn an als System zu denken.
Wie verändert diese Art zu Bauen die Bauindustrie?
Michel Baars: Der grösste Umbruch findet in der Produktion statt. Noch viel mehr als heute werden Elemente industriell vorgefertigt, beispielsweise Dächer, Bäder und ganze Raumeinheiten. Das wirft neue Fragen auf, zum Beispiel: Wie funktionieren Sanierung und Erneuerung im modularen System? Wie lassen sich einzelne Komponenten am besten austauschen? Bei Moos arbeiten wir mit unseren Partnern daran, genau dafür Lösungen zu entwickeln.

Was bedeutet modulares, zirkuläres Bauen für die Architektinnen und Architekten?
Michel Baars: Wenn mein Sohn mit Lego spielt, baut er zuerst nach der Anleitung auf der Schachtel, und dann frei – ganz kreativ nach seinen eigenen Vorstellungen. So sehe ich auch zirkuläres, modulares Bauen: Es erfordert Kreativität, Systemdenken und ein gutes Verständnis für Konstruktion. Standardisierung ist nicht das Gegenteil von Design – sie ist dessen Grundlage. Für Architektinnen und Architekten ist das keine Einschränkung, sondern eine gestalterische Chance.



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